Zivilgesellschaftliches Engagement – Ein komplexes Thema
Christoph Gille, Andrea Walter, Hartmut Brombach, Benjamin Haas, Nicole Vetter (Hg.):
Zivilgesellschaftliches Engagement und Freiwilligendienste,
Nomos Handbuch, Baden-Baden (Nomos Verlagsgesellschaft) 2024, 932 S., 129,– €
Das hier vorgestellte Handbuch ist im Umfeld von „Voluntaris – Zeitschrift für Freiwilligendienste und zivilgesellschaftliches Engagement“ und der Schriftenreihe „Interdisziplinäre Studien zu Freiwilligendiensten und zivilgesellschaftlichem Engagement“ entstanden. Einige der Mitherausgeber*innen spielen in der Zeitschrift und der Schriftenreihe eine wichtige Rolle. Das erklärt auch die hier gewählte Zusammenschau der nicht notwendigerweise zusammengehörigen sozialen Felder und den Titel des Handbuchs „Zivilgesellschaftliches Engagement und Freiwilligendienste“.
Nicht (ganz) zufällig wird gleich in den ersten Absätzen der Einführung (15 ff.) die inhaltliche Brücke zur Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags „Zur Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“, die zwischen 2000 und 2002 gearbeitet hat, geschlagen. Zeitlich können diese Jahre und die Arbeit der Kommission als ein wichtiger Höhepunkt des engagementpolitischen Diskurses betrachtet werden. Einige der Autor*innen des Handbuchs waren nicht nur als Sachverständige, Wissenschaftler*innen oder Koordinator*innen Akteure in der Enquete-Kommission, sondern gehören auch zu den Initiatoren des in der Folge gegründeten zivilgesellschaftlichen „Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement“ (BBE). Solche Kontinuitäten können eine hohe Expertise mit sich bringen, potenziell aber auch zu einer (gewissen) Verengung von Perspektiven führen.
Zeitgeschichtlich ist der Begriff „Zivilgesellschaft“ und seine schnell wachsende Bedeutung in den 1990er-Jahren zu verorten, also in den Jahren nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Annette Zimmer weist in einem der einleitenden Artikel auf die Herkunft des Begriffs aus der „Dissidentenbewegung in Osteuropa“ (25) hin. In einem eigenen Abschnitt über Internationale Perspektiven (vgl. 685 ff.) wird freilich in einem Beitrag von Anna Domaradzka (vgl. 717 ff.) deutlich, dass das zivilgesellschaftliche Engagement in den postsozialistischen Ländern später weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, die durch die demokratische Transformation geweckt wurden. Das dem Handbuch zugrunde liegende begriffliche und konzeptionelle Verständnis von Engagement schließt an diese historischen Wurzeln an: „Zivilgesellschaftliches Engagement entwickelt sich in einer spezifischen historischen Situation und ist Ausdruck einer politischen Idee der Gestaltung von Beteiligung an Gesellschaft“ (16).
Das zentrale Anliegen des Handbuchs ist es, „Orientierung über Diskurse, wissenschaftliche Zugänge und wichtige Erkenntnisse zu geben“ und dabei „auch umstrittene Verständnisse offenzulegen“ (17). Der „besondere Fokus Freiwilligendienste“ wird damit begründet, dass diese „eine spezifische Form des zivilgesellschaftlichen…
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Der Rezensent
Benedikt Widmaier war bis zu deren Schließung 2022 Direktor der Akademie für politische Bildung „Haus am Maiberg“ in Heppenheim und engagiert sich als Vorsitzender des hessischen Landesverbands sowie im Bundesvorstand der Deutschen Vereinigung für politische Bildung (DVPB). Er ist Mitglied der Journal-Redaktion.