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Wozu Gesellschaftsdiagnosen?

Einordnung des Schwerpunkts durch Benedikt Widmaier und Alexander Wohnig


Wozu Gesellschaftsdiagnosen in der politischen Bildung?

Mit Blick auf ihre pädagogische und auch didaktische Expertise sowie die Theoriebildung ist die politische Bildung eine eigenständige wissenschaftliche Profession. Sie ist jedoch auf die Zuarbeit von vielen anderen wissenschaftlichen Disziplinen angewiesen, vor allem aus den Sozial- und Bildungswissenschaften. Und als wichtige Inspiration aus der Politikwissenschaft haben die Politische Theorie, insbesondere die Demokratietheorie eine zentrale Bedeutung.

Dieser Fokus auf „Demokratie“ als wichtige Zielkategorie und Leitbild der politischen Bildung hat sich in der Geschichte der Politischen Bildung seit 1945 nicht verändert. Allerdings haben das Tempo und die Dynamik gesellschaftlicher Entwicklungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sich enorm beschleunigt. Die damit einhergehenden gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen (post)moderner Gesellschaften sind in Deutschland insbesondere seit der Wiedervereinigung 1989/90 gewachsen. Neben der politischen Bildung haben sich seither ‚neue‘ Felder, wie die Demokratiepädagogik oder die Demokratieförderung, entwickelt, die für sich in Anspruch nehmen, die gesellschaftsdiagnostisch identifizierten Krise(n) der Demokratie noch stärker in den Blick nehmen und Lösungen anbieten zu können als die Profession der politischen Bildung. Bei näherer Betrachtung haben sich aber leider bisher nur wenig fachliche Synergien, sondern eher Konkurrenzen um öffentliche Aufmerksamkeit und Förderung (vgl. dazu Journal Heft 3/2024 zum Thema Förderung) ergeben. Gesellschaftsdiagnosen haben Konjunktur, auch das ist den aktuellen multiplen Krisen der Gesellschaft geschuldet. Dass das Journal für politische Bildung sich nach 2019 (Journal Heft 1/2019) im Schwerpunkt erneut mit der Frage nach dem Zustand und den Perspektiven der Gesellschaft und der Demokratie beschäftigt, kommt deshalb nicht von ungefähr.

Sich in der politischen Bildung mit der theoretischen und empirischen Frage nach dem Zustand der Gesellschaft zu beschäftigen, kann für die Profession der politischen Bildung eine existenzielle Frage sein, nicht nur wenn es darum geht, Bildungsprozesse zu initiieren. Hier steht dann die Frage nach den Begründungen politischer Bildung vor dem Hintergrund von Gesellschaftsdiagnosen im Zentrum. Denn die Notwendigkeit von politischer Bildung wird heute keineswegs von allen geteilt.


Was ist/was könnte eine gemeinsame Perspektive sein?

Im Kontext von Gesellschaftsdiagnosen ist die Frage nach einer gemeinsamen Perspektive nur sehr schwer zu beantworten, das gemeinsame scheint der Blick auf Krise(n zu sein). Aus den in dieser Ausgabe versammelten Beiträgen lässt sich eine gemeinsame Perspektive für die politische Bildung, die bestenfalls und im positiven Sinne auch…

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