Vielfältig, nicht flächendeckend verankert – und unter Druck
Zur Finanzierung der
non-formalen politischen Bildung in der Schweiz
Non-formale Gelegenheiten zur politischen Bildung sind in der Schweiz
ein zentraler Bestandteil der direkten Demokratie. Ihre Sicherstellung in den 26 Kantonen und 2.121 Gemeinden gestaltet sich jedoch komplex – sowohl in Hinblick auf Übersichtlichkeit als auch auf Steuerung und Finanzierung.
Die politische Bildung junger Menschen findet in der Schweiz nicht nur im Schulzimmer statt. Im Gegenteil: Viele prägende Erfahrungen in den Bereichen Demokratie, Mitbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe werden in außerschulischen Kontexten gemacht – in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, in Jugendverbänden, in zivilgesellschaftlichen Projekten oder Jugendorganisationen. Diese sogenannten non-formalen politischen Bildungsangebote sind ein wichtiger Bestandteil der demokratischen Kultur und gesellschaftlichen Entwicklung (vgl. Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen EKKJ 2023: 6 f.). Sie umfassen freiwillige, strukturierte Bildungsangebote außerhalb des formalen Schulsystems, die darauf abzielen, junge Menschen in ihrer politischen Urteils- und Handlungsfähigkeit zu stärken. Die Angebote werden häufig zivilgesellschaftlich getragen und ergänzen die staatliche Bildungsarbeit.
Die außerschulische politische Bildung ist in der Schweiz dezentral organisiert – entsprechend vielfältig sind die Angebote. Damit bleibt allerdings die Steuerung der außerschulischen politischen Bildung fragmentiert – genauso wie ihre Finanzierung.
Dieser Beitrag beleuchtet die förderpolitischen Rahmenbedingungen der non-formalen politischen Bildung in der Schweiz. Der Fokus liegt auf dem föderalen Zusammenspiel von Gemeinde, Kanton und Bund – und auf der Frage, welche Auswirkungen diese Struktur auf Teilhabechancen junger Menschen hat. Wir verstehen non-formale politische Bildung dabei als integralen Bestandteil einer umfassenden Kinder- und Jugendpolitik im Sinne dreier Grundpfeiler: Schutz, Förderung und Beteiligung (vgl. Bundesamt für Sozialversicherungen BSV 2008: 2). In dieser Definition, eingesetzt vom schweizerischen Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV), richtet sich Kinder- und Jugendpolitik an junge Menschen bis zum 25. Lebensjahr und schließt ihre Familien (mit) ein.
Politische Bildung beginnt vor Ort:
Die Rolle der Gemeinden
Entlang eines fiktiven Falls aus einer Schweizer Gemeinde möchten wir die Einbettung der non-formalen politischen Bildung skizzieren:
Beauftragt von der Gemeinderätin begleiten wir seitens Hochschule ein Projekt zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendpolitik vor Ort. Im Rahmen einer Veranstaltung zur Befragung von Jugendlichen lernen wir etwa 30 junge Menschen kennen. Sie sind während ihrer Freizeit in die Schule gekommen, um über ihre Anliegen und Möglichkeiten der Partizipation in der Gemeinde zu sprechen. Die Jugendlichen sprudeln:…
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Die Autorin
Kathrin Amann (M.Sc.) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziale Arbeit und Räume (IFSAR) an der OST – Ostschweizer Fachhochschule. Ihre Schwerpunkte sind Aufwachsen und Bildung, Kinder- und Jugendpolitik, Begegnungs- und Bewegungsräume sowie Suchtprävention.
Die Autorin
Johanna Brandstetter (Mag.) ist Dozentin am Institut für Soziale Arbeit und Räume (IFSAR) an der OST – Ostschweizer Fachhochschule. Ihre Schwerpunkte sind Aufwachsen und Bildung, Kinder- und Jugendförderung, Offene Kinder- und Jugendarbeit, politische Bildung sowie global citizenship education.
Der Autor
Prof. Dr. Axel Pohl ist Dozent am Institut für Soziale Arbeit und Räume (IFSAR) an der OST – Ostschweizer Fachhochschule. Seine Schwerpunkte sind Aufwachsen und Bildung, Übergänge in das Erwachsenenalter, Jugendarbeit und non-formale Bildung sowie Pädagogik in der (Post-)Migrationsgesellschaft.