„Sie hörten immer zu“
Die Orientierungskraft der politischen und politisch-kulturellen Bildung
und ihre Professionen haben – und das gilt für alle pädagogischen
Einrichtungen – in einer pluralistischen, analogen und digitalen sowie
von Widersprüchlichkeiten und zunehmender Unübersichtlichkeit
gekennzeichneten Welt eine begrenzte und kaum messbare Bedeutung
und Wirkung. Aber sie haben eine. Daher ist es wichtig, normativ,
systematisch und empirisch zu klären, was ihre Erfahrungen und Effekte
sind. Insbesondere mit dem Fokus, was die Teilnehmer*innen selbst zur
für sie vielfach neuen Erfahrungswelt nach ihrer Teilnahme mitteilen.
Dieser Beitrag berichtet über Befunde einer empirischen Studie der
politisch-kulturellen Bildung.
Wir haben in den Jahren 2017 bis 2024 im Rahmen
eines Bildungsprogramms zwei politisch-kulturell
bildende, außerschulische Projekte (sogenannte
„Outreach-Programme“) durchgeführt und evaluiert.
In Trägerschaft des Jüdischen Museums
Frankfurt am Main wurde das Projekt in enger
Kooperation mit den jeweiligen Schulen als
kooperative
Demokratiebildung realisiert. Die
mehrtägigen Treffen, die Teil der Evaluation waren,
wurden von pädagogischen Teams strukturiert
und zugleich im Verlauf flexibel gehandhabt.
„AntiAnti – Museum Goes School“ (sechs Module)
war eines der Projekte und richtete sich an Berufsschüler*
innen, das Projekt „Schattenspiele – Wahrheiten
und Narrheiten“ wiederum adressierte
Grundschüler*innen in Frankfurt/M. und Umgebung.
Die beteiligten Klassen in den Grundschulen
und Berufsschulen waren durchweg
heterogen
und divers zusammengesetzt. In dem
Projekt AntiAnti hatten zudem viele Jugendliche
und junge Erwachsene eine Migrationsgeschichte
oder auch Fluchterfahrungen und holten in Berufsschulen ihren Bildungsabschluss nach oder befanden
sich in Ausbildungsvorbereitung.
Inhaltlich und konzeptionell ging es in den sechs Modulen von AntiAnti um die Lebenswirklichkeit der Teilnehmenden, deren Biografie und Zukunft sowie die Vielfalt von Religionen. In Schattenspielen wurde über mehrere Phasen ein Spiel mit den Namen „Zippe, Hacivat und Karagöz“ (Figuren aus einer türkischen Tradition des Schattentheaters) inhaltlich, dramaturgisch und medial erarbeitet, eingeübt und dann vorgeführt (Hafeneger/Kanbicak 2024). AntiAnti besteht aus drei Elementen: Workshopangeboten für Schüler*innen, Fortbildungsangebote für Lehrkräfte und Peer-Education für Schüler*innen. Bei den Schattenspielen wurde eine Spieltechnik erlernt, ein Skript erarbeitet und Figuren entwickelt, Rollen eingeübt und dann aufgeführt.
Inhaltlich ging es im Rahmen des Spiels, bei der die Figuren auf eine Reise gingen, um die Auseinandersetzung mit Vorurteilen und Stereotypen, um kulturelle und religiöse Vielfalt sowie Toleranz und Menschenrechte (vgl. Hafeneger/Kanbicak 2024: 54 ff.). In der Denktradition von Dewey (1916/2000) ging es um „echte und wirkliche“ und nicht um „vorgetäuschte oder angebliche“ Probleme und Fragen. Die Anlagen die…
Weiterlesen mit JOURNAL+
Der Autor
Benno Hafeneger, Dr. phil., Prof. (em.) für „Außerschulische Jugendbildung“ am Institut für Erziehungswissenschaft der Philipps-Universität Marburg. Er ist Mitglied der JOURNAL-Redaktion.
Die Autorin
Türkân Kanbıçak, Dr. phil., Lehrerin und Erziehungswissenschaftlerin, ist Leiterin der beiden im Artikel vorgestellten Projekte am Jüdischen Museum Frankfurt/M.