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Queer im dualen System

Empowerment solidarisch unterstützen

Junge Menschen, die sich für eine berufliche Ausbildung entscheiden, möchten etwas lernen, sich weiterentwickeln und eine berufliche Zukunft als Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben aufbauen. Diese Phase der beruflichen Entwicklung überschneidet sich biografisch häufig mit der Auseinandersetzung mit der eigenen sexuellen Orientierung und/oder geschlechtlichen Identität. Heterosexuelle und cisgeschlechtliche Normvorstellungen prägen diese Prozesse und sind auch im Ausbildungssystem dominant. Queere Identitäten werden dadurch häufig marginalisiert. Für viele lsbtiq* Auszubildende sind Offenheit und Sichtbarkeit daher mit Unsicherheit und Vulnerabilität verbunden.



Ausbildungsverhältnisse sind durch Abhängigkeitsstrukturen, hierarchische Machtasymmetrien und einer strukturellen Vereinzelung von Auszubildenden geprägt. Bleibt in Betrieben und beruflichen Schulen eine institutionelle Auseinandersetzung mit diesen Strukturen und den damit einhergehenden Benachteiligungen aus, stößt Empowerment queerer Auszubildender an strukturelle Grenzen. Solidarität mit ihnen bleibt in diesem Fall vom Handeln und Nicht-Handeln einzelner Fachkräfte abhängig.

Das Innovationsprojekt „Queer im dualen System“ von Arbeit und Leben wird seit dem 1.1.2025 durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gefördert. Es möchte queere Auszubildende stärken und Betriebe sowie Fachkräfte und Multiplikator*innen dabei unterstützen, Ausbildungsstrukturen fair, offen und diskriminierungsfrei zu gestalten. Mit praxisnahen Informationen, Vernetzungsmöglichkeiten und Fortbildungen soll Vielfalt und Gleichberechtigung in Ausbildung und Arbeitswelt gefördert werden. Gemeinsam soll so eine Arbeitswelt gestaltet werden, in der alle Menschen sicher und respektvoll in ihre berufliche und persönliche Zukunft starten können.


Möglichkeiten der Ausbildung von ­Handlungsmacht für LSBTIQA* im dualen System

Die duale Berufsausbildung ist durch die Aufteilung der Ausbildungszeit zwischen Berufsschule und Ausbildungsbetrieb geprägt, die jeweils eigene Logiken sowie spezifische Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse hervorbringen. Auszubildende befinden sich hier in einer Doppelrolle: Sie sind sowohl Lernende als auch in betriebliche Abläufe eingebundene Arbeitnehmende innerhalb eines hierarchischen Arbeitsverhältnisses mit direkter Weisungsgebundenheit. Die Lerninhalte sind in entsprechenden Ausbildungsordnungen festgeschrieben (Ebner/Uhli 2016). Neben dem branchenspezifischen Kompetenzerwerb steht die individuelle Leistung im Fokus. Der Ausbildungserfolg ist von der Bewertung der Prüfer*innen abhängig, die als Vertreter*innen der Schule, der Arbeitgebenden- und der Arbeitnehmendenseite in den durch die Kammern organisierten Prüfungsausschüssen mitwirken. Nicht zuletzt stehen viele Auszubildende unter dem Druck, später vom Ausbildungsbetrieb übernommen werden zu wollen. Insbesondere in kleinen und…

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Geschrieben von

Konstantin Dittrich, stellvertretender Bundesgeschäftsführer beim Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben e. V.

Kat Feyrer, Leitung des Projekts „Queer im dualen System“ beim Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben e. V.

Nils Klevermann, Professor*in für Organisationsfragen in der Sozialen Arbeit an der Hochschule München.