Politische Jugendbildung im Spannungsfeld schrumpfender Räume
Herausforderungen und Perspektiven
aus der Praxis in Köln
In der politischen Bildung wird die zunehmende Umkämpftheit zivilgesellschaftlicher Räume deutlich spürbar. Sie zeigt sich in rechtspopulistischen Angriffen, verkürzten Neutralitätsdebatten, finanziellen Unsicherheiten und einer wachsenden strukturellen Belastung ehrenamtlicher Verantwortung. Diese Entwicklungen verändern die Rahmenbedingungen demokratischer Bildungsarbeit. Gleichzeitig steigt das politische Interesse junger Menschen und der Bedarf an Orientierung, Beteiligung und diskriminierungssensiblen Räumen bleibt hoch.
Die Auseinandersetzung mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Diskursverschiebungen begleitet mich derzeit auf mehreren Ebenen: in meiner Tätigkeit als politische*r Bildner*in, in meinem Masterstudium der Sozialen Arbeit und vor allem auch als nichtbinäre Person, deren Identität in besagten Diskursverschiebungen immer wieder verhandelt, infrage gestellt und politisch aufgeladen wird.
Perspektivische Einordnung:
Zwischen Diskurs und Praxis
Im Studium beschäftige ich mich mit rechtspopulistischen Diskursen, mit der Normalisierung rassistischer und queerfeindlicher Positionen und mit der gesellschaftlichen Funktion von Verschwörungserzählungen. In meiner Projektarbeit in der Katholischen Studierenden Jugend Köln versuche ich gleichzeitig, Räume der Demokratiebildung intersektional diskriminierungssensibel mitzugestalten.
Diese Ebenen lassen sich für mich nicht voneinander trennen. Im Gegenteil: Erst in ihrer Verbindung wird sichtbar, wie tief gesellschaftliche Verschiebungen in konkrete Strukturen hineinwirkenIch erlebe, wie Debatten über Kürzungen Ehrenamtliche und Fachkräfte verunsichern. Ich erlebe, wie Polarisierung und die fehlende Sensibilität zentraler Akteur*innen bei von Diskriminierung betroffenen Personen Frustration auslösen. Und ich erlebe, wie sich Räume verändern.
Was zunächst das Bedürfnis weckt, den Kopf in den Sand zu stecken, bietet auch Chancen: Es braucht Veränderung. Auch wenn äußere Einflüsse vieles bestimmen, können wir mitentscheiden, wie wir damit umgehen. Die aktuelle Situation zwingt Akteur*innen in der politischen Jugendbildung, Fragen neu zu stellen: Wie gehen wir mit Unsicherheit um? Welche Räume wollen, können und sollten wir für wen gestalten? Was bedeutet es heute, politische Bildung verantwortungsvoll zu gestalten?
Struktureller Druck auf politische Bildungsarbeit
Die Spannungen, die ich in meiner Arbeit wahrnehme, lassen sich auch auf struktureller Ebene beobachten. Drei Faktoren fallen hier besonders auf:
- Politischer Druck durch rechtspopulistische Diskurse
- Ökonomische und rechtliche Verschiebungen Strukturelle
- Überlastungen im Ehrenamt
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Geschrieben von
Vicy Houben, politische*r Bildner*in. Houben arbeitet im Bereich der politischen Jugendbildung und Demokratiebildung sowie in der Antidiskriminierungsarbeit mit Fokus auf Sensibilisierung, Empowerment und strukturelle Reflexion. Bis Ende 2025 war Houben bei der KSJ Köln im Projekt „Du.Ich.Wir – Internationale Biografien im Jugendverband als Rassismuskritische Koordination tätig. Houben ist B.A. Sozialarbeiter*in und studiert derzeit im Master Soziale Arbeit.