Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen

„Nicht über, sondern mit den jungen ­Menschen muss man reden“ – oder: Was wir über Jugendliche wissen sollten

Laudatio auf Prof. Dr. Benno Hafeneger, der mit diesem Heft zu „Generationenverhältnisse“ sein letztes Heft in der Redaktion betreut hat.

Wenn von politischer Bildung gesprochen wird, dann ist der Name Benno Hafeneger unweigerlich mitgedacht. Seit Jahrzehnten prägt der Erziehungswissenschaftler Generationen von Pädagog*innen, Wissenschaftler:innen und politisch Engagierten. Als Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Jugendbildung und politische Bildung an der Philipps-­Universität Marburg hat er nicht nur ein außergewöhnliches akademisches Werk geschaffen, sondern auch Maßstäbe gesetzt für die gesellschaftliche Verantwortung von Bildungsprozessen.

Dass ein Lehrstuhl für Jugendbildung sich dezidiert der politischen Bildung verschrieb, war in dieser Klarheit und Konsequenz alles andere als selbstverständlich. Hafeneger verstand Bildung nie als bloße Wissensvermittlung, sondern als Prozess der Demokratisierung, der Persönlichkeitsbildung und der Stärkung junger Menschen in ihrer Fähigkeit, Gesellschaft kritisch zu verstehen und aktiv mitzugestalten. Sein Ansatz verband Wissenschaft mit Praxis, Forschung mit Engagement, Universität mit Zivilgesellschaft. Damit schuf er ein lebendiges Verständnis politischer Bildung, das über institutionelle Grenzen hinausreicht.

Zentral für sein Wirken ist die Verbindung von Jugendforschung und Rechtsextremismusfragen. Erwähnenswert sind auch seine Studien zum Rechtsextremismus in Hessen, die in zahlreichen Medien – von Zeitungen über Rundfunk bis Fernsehen – große Beachtung fanden. Er zählt so auch zu den bedeutenden Erziehungswissenschaftlern, die Rechtsextremismusforschung betrieben und betreiben. Ein Projekt ist in besonderer Erinnerung geblieben: sein Engagement für die Jugendfeuerwehrforschung. Gemeinsam mit Kolleg*innen untersuchte er, wie in den Strukturen der Freiwilligen Feuerwehren demokratische Bildung, Kameradschaft und Wertevermittlung ineinander greifen – ein bisher kaum beachtetes, aber enorm wirkmächtiges Feld non-formaler Bildung. Hafeneger erkannte früh, dass Orte der Jugendkultur und des freiwilligen Engagements entscheidende Räume für politische Bildung sein können – jenseits des Klassenzimmers. An das Feuerwehrprojekt denkt man gleich bei der kürzlichen Nachricht: „Die Freiwillige Feuerwehr in Friedrichsdorf (Taunus) hat eine Satzung verabschiedet, die ausschließlich die weibliche Form verwendet.“1 So erfüllte sie die Vorgaben der Stadt, Schreibweisen zu vereinfachen. Die Feuerwehr zeigte sich kreativ und wehrhaft gegenüber den Vorgaben der Stadt.

Ebenso eindrucksvoll ist seine Arbeit im Kontext des Jüdischen Museums Frankfurt, wo er in beratender und wissenschaftlich begleitender Funktion zur Entwicklung von Bildungsprogrammen beitrug, die junge Menschen für Fragen von Erinnerungskultur, Antisemitismus und Menschenrechten sensibilisieren. Seine Fähigkeit, historische Verantwortung mit aktueller…

Weiterlesen mit JOURNAL+

Lesen Sie diesen und alle weiteren Beiträge aus dem Journal für politische Bildung im günstigen Abonnement.
Mit Ihrem Abonnement erhalten Sie die vier gedruckten Journal-Ausgaben im Jahr sowie vollen Zugriff auf alle Journal+ Beiträge des Online-Angebots.
Jetzt abonnieren
Sie haben das Journal für politische Bildung bereits abonniert?
Jetzt anmelden