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Nachruf für Micha Brumlik


Im November 2025 ist Micha Brumlik im Alter von 78 Jahren verstorben. Es war eine Nachricht, die schmerzte, und wir trauern um einen Freund, Zeitgenossen, Intellektuellen und Wissenschaftler, der mit seinen politischen und wissenschaftlichen Interventionen und Beiträgen, Essays und Kolumnen auch der politischen Bildung verpflichtet war.

Micha Brumlik leitete als einer der ersten Direktoren das Fritz-Bauer-Institut in Frankfurt/M. Er war zunächst Professor für Erziehungswissenschaft in Heidelberg und dann – mit dem Schwerpunkt „Theorie der Erziehung und Bildung“ – am Fachbereich Erziehungswissenschaft der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/M. tätig. Nach seiner Emeritierung blieb er dort Seniorprofessor und förderte die neue Forschungsstelle für NS-Pädagogik. Als deutscher Jude, Philosoph und Publizist gehörte er mit seinen präzisen, tiefenscharfen Analysen, mit seinen Publikationen und seiner Vortragstätigkeit zu den profiliertesten Kennern der jüdischen, aufklärerischen Geistesgeschichte. Seine scharfsinnigen und streitbaren Kommentierungen zeitgenössischer jüdischer Themen, aktueller Tagespolitik und der Regierungspolitik des Staates Israel haben immer wieder große Resonanz erfahren.

Herausragend sind seine Schriften zum deutsch-jüdischen und christlich-jüdischen Verhältnis. Dabei ist seine intellektuelle Denktradition der „Würde des Menschen“ und den Prinzipien der Aufklärung verpflichtet, u. a. verbunden mit Namen wie Theodor W. Adorno und Hannah Arendt. Der produktive Streit, der Austausch von Argumenten und Gegenargumenten in der Suche nach Erkenntnis, gehörten zu den Eigenschaften und kommunikativen Fähigkeiten von Micha Brumlik, die Weggefährten und vor allem auch Studierende zu schätzen wussten.

Zu seinen zahlreichen öffentlichen Auszeichnungen gehören u. a. die Buber-Rosenzweig-Medaille für die Verständigung zwischen Juden und Christen sowie das Bundesverdienstkreuz am Bande. Er lebte seit 2013 in Berlin und lehrte am Moses-Mendelssohn-Zentrum für europäisch-jüdische Studien in Potsdam. Er engagierte sich für den Aufbau des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks für Stipendien an besonders begabte und engagierte jüdische Studierende, und er war Mitglied im PEN Berlin.

Seine aktuellen und einmischenden Interventionen waren auch für die politische Bildung von Bedeutung. Sie haben aufklärende Diagnoseblicke angeboten und zum Weiterdenken stimuliert. Das gilt u. a. für das völkische „alte Denken der neuen Rechten“, den „postkolonialen Antisemitismus“, die Erinnerungskultur und das nachlassende historische Bewusstsein oder die bedrohliche Erosion der liberalen und rechtsstaatlich verfassten Demokratie, wie sie im Grundgesetz fixiert ist.

Zu seinen letzten Veröffentlichungen gehörte das Zeitzeugeninterview, das wir im Heft 3/2023 hier im Journal mit dem Titel „Autoritäre Versuchungen im Spiegel zeitgeschichtlicher…

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Benno Hafeneger, Dr. phil., Prof. (em.) für „Außerschulische Jugendbildung“ am Institut für Erziehungswissenschaft der Philipps-Universität Marburg.

Manfred Wittmeier, Dr., ist Erziehungswissenschaftler und Dozent em. der Goethe Universität Frankfurt. Er war bis 2025 Landesvorsitzender und ist aktuell aktiv im Landesvorstand der NaturFreunde Hessen.