Mehr als nur Finanzen: Digitale Förderprozesse als Teil politischer Bildungsarbeit
Wie ein Open-Source-Portal die Förderpraxis demokratisiert
Wie können Dachverbände die Verwaltung und Weiterleitung von Fördermitteln
digital organisieren? Am Beispiel des Bundesarbeitskreises Arbeit und Leben e. V. lässt sich nachvollziehen, ob und wie speziell für NGOs entwickelte Softwarelösungen wie CiviCRM die Verwaltungsarbeit effizient unterstützen können – und inwiefern digitale Infrastruktur dabei dem Gemeinwohl dient.
Freie Software ist mehr als nur ein technisches Konzept. Sie steht für Grundprinzipien wie Transparenz, Teilhabe und Selbstbestimmung. Freie Software zielt darauf, Nutzer*innen in die Lage zu versetzen, ihre digitalen Werkzeuge zu verstehen, zu kontrollieren und gemeinsam weiterzuentwickeln (vgl. Free Software Foundation Europe 2024). Damit bildet sie einen Ansatz, der ideal zur politischen Bildung passt. Denn auch sie will Menschen befähigen, mündig zu handeln, kritisch zu reflektieren und demokratisch teilzuhaben.
Freie Software – Digitale Infrastruktur
als Gemeingut
Trotzdem ist der Einsatz freier Software in der politischen Bildung noch die Ausnahme. Während pädagogische Konzepte der Träger auf Beteiligung und Reflexion setzen, bleibt die digitale Infrastruktur von Verwaltungssystemen bis zu digitalen Plattformen oft intransparent, proprietär und von kommerziellen Anbietern abhängig. Die außerschulische politische Bildung ist in digitalen Bildungsräumen nahezu unsichtbar. So wurde sie beispielsweise bei den Pilotvorhaben für den bundesweit vernetzten digitalen Bildungsraum („Mein Bildungsraum“) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen von NextGenerationEU nicht mitgedacht. Ein DigitalPakt Außerschulische Bildung in Anlehnung an den DigitalPakt Schule des BMBF und der Länder bleibt ein Desiderat der Praxis.
Bei der Digitalisierung der Administration von Förderprojekten und -programmen sind die verschiedenen Bundesministerien und nachgeordneten Behörden unterschiedlich aufgestellt. Es fehlt dabei an gebündelten Zuständigkeiten, klarer Steuerung und Transfer guter Lösungen (vgl. Lang 2025: o. S.). Auch bei den Trägern gibt es kaum organisationsübergreifende Ansätze. So nutzen einzelne Träger teure Software-as-a-Service-Lösungen oder lassen eigenen Datenbanken nur bezogen auf die Prozesse in der eigenen Organisation programmieren. Dabei wäre gerade in diesem Bereich eine gemeinwohlorientierte, offene Infrastruktur als Ausdruck digitaler Souveränität und guter Verwaltungspraxis (Good Governance) dringend geboten.
Das Projekt vom Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben zeigt exemplarisch, wie Verwaltung und politische Bildung mit Hilfe freier Software, gemeinschaftlicher Entwicklung und einem klaren politischen Anspruch zusammengedacht werden können. Die Digitalisierung soll dies nicht nur effizienter machen, sondern auch gerechter.
Fördermittelmanagement neu denken
Mit einer Förderung der…
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Der Autor
Konstantin Dittrich ist stellvertretender Geschäftsführer beim Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben e. V. und aktiv im Vorstand des Bundesausschusses Politische Bildung (bap).