Materialistische politische Bildung als Herrschafts- und Kapitalismuskritik
Malte Suhr: Kritische
polit-ökonomische Bildung.
Konzeptionelle Grundrisse für den sozialwissenschaftlichen Unterricht im Kapitalismus. Bielefeld
(transcript Verlag) 2026,
330 S., 52,00 €
Bei der hier besprochenen Monografie handelt es sich um die Dissertationsschrift von Malte Suhr, in der er eine Konzeption kritischer polit-ökonomische Bildung (kpöB) entwickelt wird, die auf der Kritik der Politischen Ökonomie von Karl Marx und deren Weiterentwicklungen und Aktualisierungen basiert. Erkenntnisleitendes Interesse des Autors ist es, aus solch einer materialistischen Perspektive, eine den Prinzipien der Machtanalyse und Herrschaftskritik gerecht werdende und auf Emanzipation abzielende, genuin kritische Konzeption auszuarbeiten „und Vorschläge zur konkreten Gestaltung entsprechender Bildungsprozesse“ vorzulegen (25). Ziel sei es, einen Grundriss für den sozialwissenschaftlichen Unterricht im Kapitalismus zu konzeptualisieren, der explizit „über die Einrichtung des kapitalistischen Gesellschaftssystems hinausweisende Ansätze“ (26) aufweist, ohne die Reflexion über Möglichkeiten und Grenzen von politischen Bildungsprozessen angesichts des hegemonialen Status quo zu vernachlässigen.
Im ersten Teil – konzeptionelle Grundlagen – beschäftigt sich Suhr, wie die Überschrift des Kapitels bereits insinuiert, mit Grundsätzlichem, indem er die normative und wissenschaftstheoretische Verortung seines Forschungsprojekts offenlegt. In diesem Kontext legitimiert er, den Fokus auf die „Orientierung an der Tradition kritischer polit-ökonomischer Theoriebildung“ (31) zu legen. Im Folgenden widmet sich Suhr der Begründung der Kriterien fachdidaktischer Konzeptionen, da er mit seiner Arbeit eine solche vorlegen möchte. Hierbei nimmt er Bezug auf Hedtke und ergänzt, dass eine Konzeption kpöB erstens ihre erkenntnistheoretischen Grundlagen bestimmen müsse, zweitens ihre gesellschaftstheoretischen Grundlagen darlegen müsse und drittens eine immanente Ebene der Selbstreflexion und -kritik aufzuweisen habe, die auch die Reflexion der Widersprüche dieser konzeptionellen Form impliziert.
Im zweiten und mit ca. 100 Seiten umfassenden längsten Teil seiner Monografie entwickelt Suhr die für seine Konzeption relevanten erkenntnis- und gesellschaftstheoretischen Grundlagen. Er leistet damit einen Überblick über die Relevanz erkenntnistheoretischer Fragestellungen in der Politikdidaktik. Im Anschluss entfaltet der Autor sehr differenziert seine erkenntnistheoretische Perspektive materialistischer Dialektik, welche er seiner Konzeption kpöB zugrunde legt. Im Kapitel Gesellschaftstheoretische Grundlagen wirft Suhr einen kritischen Blick auf unterschiedliche Gesellschaftsbegriffe in der Politischen und (Sozio-)ökonomischen Bildung, ehe er kontrastierend auf Basis von Karl Marx die Funktionsweise der kapitalistischen Produktionsweise als Fundament eines kritischen polit-ökonomischen Gesellschaftsbegriffs herausarbeitet. In diesem…
Weiterlesen mit JOURNAL+
Der Rezensent
Ralph Blasche ist Oberstudienrat sowie Lehrbeauftragter für Didaktik der Sozialwissenschaften an der Universität zu Köln.