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Kinder- und Jugendparlamente stark machen

Wie erwachsene Diagnosen die Partizipation junger Menschen begrenzen und was eigentlich notwendig wäre

Kinder- und Jugendparlamente gelten als wichtige Orte, an denen junge Menschen Erfahrungen der Selbstwirksamkeit und demokratischen Mitsprache sammeln können. Zugleich machen Gesellschaftsdiagnosen deutlich, wie in Krisenzeiten Konfliktlinien struktureller Machtbeziehungen zwischen Erwachsenen und jungen Menschen wieder Konjunktur haben. Mehr denn je zeigt sich hierbei, wie schwer es fällt, Beteiligungsräume ernsthaft und nachhaltig zu gestalten. Umso wichtiger ist ein Plädoyer für Beteiligungsstrukturen, die junge Menschen nicht nur symbolisch einbinden, sondern ihnen reale Entscheidungsmacht zugestehen, adultistische Routinen irritieren und ­Kinder- und Jugendbeteiligung als demokratische Kernaufgabe und nicht als pädagogisches Beiwerk begreifen.



Gesellschaftliche Diagnosen verweisen auf ein wachsendes Spannungsfeld zwischen demokratischen Erwartungen, Vertrauensverlust und politischer Entfremdung, das besonders die Lebenswelt junger Menschen prägt. Analysen zu politischen Einstellungen und Wahlverhalten zeigen, dass diese sich von etablierten Parteien häufig nicht repräsentiert und sie sich in ihren Sorgen nicht ernst genommen fühlen. In besonderer Weise korreliert dies mit Einsamkeitserfahrungen. Wer sich langfristig als ausgegrenzt erlebt, kann das Interesse an Politik verlieren oder empfänglicher für populistische Positionen werden (vgl. Deutsche Kinder- und Jugendstiftung 2025: 3 f.). Umso wichtiger sind Beteiligungsformen, die Kinder und Jugendliche als eigenständige Akteur*innen anerkennen und ihnen wirksame, verlässliche Mitgestaltung eröffnen. Hier treten Kinder- und Jugendparlamente in den Blick, da sie als dauerhaft und institutionell verankerte Schnittstellen zu Erwachsenen konzipiert sind, um die Perspektiven junger Menschen systematisch in politische Entscheidungen einzubringen. Offen ist, inwieweit reale Machtteilung hier wirklich zugelassen wird.


(Kritische) Perspektiven auf Kinder- und Jugendparlamente

Die letzte Bestandsaufnahme des Deutschen Kinderhilfswerk von 2023 beziffert rund 675 Kommunen in Deutschland mit Kinder- und Jugendparlamenten, Tendenz steigend, bei nach wie vor begrenzter Verbreitung und Abhängigkeit von der Gemeindegröße. Zugleich macht die Vielfalt in Ausgestaltung, Namensgebung und Arbeitsweisen sichtbar, dass sich das Format seit den 1980er Jahren ausdifferenziert hat und prinzipiell flächendeckend realisierbar wäre (vgl. Roth/Stange 2022: 199 f.). Viele Parlamente bestehen seit Jahren, sind in Beteiligungslandschaften eingebettet und gehen über Alibi-Formate hinaus. Trotz bestehender Lücken bei jungen Menschen mit Behinderungen oder sozialen Benachteiligungen sind sie häufig repräsentativer als Erwachsenengremien. Zuletzt haben sich jedoch neben klassischen Ur- und Delegationswahlen auch breitere Zugänge (z. B. durch Losverfahren…

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Die Autorin

Vera Prieß arbeitet seit 2021 beim Jugendamt des Bezirks Marzahn-Hellersdorf von Berlin als Beteiligungskoordinatorin. Sie koordiniert dort die Teilnahme des Bezirks am ­Programm des von UNICEF und dem DKHW getragenen Vereins Kinderfreundliche Kommunen e. V. Außerdem leitet sie die Geschäftsstelle des Kinder- und Jugendparlaments. Sie hat einen Bachelor in Sozialer Arbeit und studiert aktuell im Master Sozialmanagement.

Der Autor

Janis Fifka arbeitet seit 2021 bei der Servicestelle ­Jugendbeteiligung e. V. und ist dort mitverantwortlich für den Bereich der kommunalen Beteiligung. So leitet er u. a. die vom BMBFSFJ geförderte Akademie für Kinder- und Jugendparlamente am Standort Berlin, begleitet ­Beteiligungsprozesse, berät und qualifiziert ­Multiplikator*innen. Daneben ist er als freier ­Bildungsreferent tätig und arbeitete für ­Mandatsträger*innen. Aktuell studiert er im Bachelor Soziale Arbeit.