Eine „Räumlichkeit für Vorträge, Sitzungen, Versammlungen, gesellige Abende […] und vieles mehr.“
Über politische Bildung von Rechts, extrem rechte Immobilien und ihre finanziellen Grundlagen
Nach den jüngsten Wahlerfolgen und dem beobachtbaren Zulauf für
extrem rechte Strukturen durch junge Menschen, ist die extreme Rechte daran interessiert politische Bildung in ihrem Sinne zu betreiben. Essenziell dafür
sind Orte der Vergemeinschaftung. Grundlegend für diese sind
finanzielle Ressourcen. Es ist höchste Zeit sich der Zusammenhänge bewusst
zu werden, und erfolgsorientierte Gegenstrategien zu entwickeln.
Eine Möglichkeit ist es, bei den finanziellen Grundlagen anzusetzen.
Mit den Wahlerfolgen der AfD werden in den nächsten Jahren mehr und mehr Gelder durch die Partei in Strukturprojekte investiert werden. So lauten zumindest die Forderungen neurechter Akteur*innen (vgl. Benyoucef 2023; vgl. Ein Prozent 2023). Essenziell in diesem Strukturaufbau ist die nachhaltige Erschließung von Immobilien für die Szene. Ein maßgeblicher Grund, ist die Bedeutung eigener Immobilien für die Schulung des parteieigenen Personals.
Die Bedeutung dieses Unterfangens spiegelt sich deutlich im innerrechten Diskurs wider. Am 3. März 2025 veröffentlichte der „Kanal Schnellroda“ ein neues Youtube-Video. In schwarz-weiß stilisiert formulieren Erik Lehnart, Götz Kubitschek und Christoph Berndt, in den Räumlichkeiten des Brandenburgischen Landtags sitzend, Hausaufgaben, die die AfD in den nächsten vier Jahren zu bewältigen habe. Besonders essenziell, so die einhellige Meinung, sei die längst überfällige Erschließung einer großen, zentral gelegenen Parteiimmobilie. Trotz zahlreicher Millionenspenden und Erbschaften habe es die Partei bislang versäumt diese Leerstelle zu füllen.
„Verdammt nochmal, das muss doch mal jetzt möglich sein, dass wir jetzt im nächsten halben Jahr eine große Immobilie besorgen. Möglichst so dass man aus vielen Bundesländern hinkommen kann.“ (Kanal Schnellroda 2025)
Diese Immobilie müsse es der Partei wie auch deren Umfeld ermöglichen Kongresse, Messen, Kulturveranstaltungen und vor allem – Akademien durchzuführen. Die Anwesenden stimmen einhellig zu. Kubitschek, der in Schnellroda seit Jahren Akademien für den extrem rechten Nachwuchs organisiert, expliziert den Hauptzweck: „Spezialakademien, Leute ausbilden, na klar“ (ebd.). Was in diesem kurzen Abschnitt aufblitzt, ist die essenzielle Bedeutung eigener Immobilien für etwas, das, so meine grundlegende These, als politische Bildung der extremen Rechten verstanden werden muss.
Politische Eliten bilden
Politische Bildung von rechts klingt zunächst wie ein Widerspruch. Die Geschichte moderner politischer Bildung ist in einem so bedeutenden Maße mit demokratischen, aufklärerischen und progressiven Elementen verwoben, dass gegenläufige Ideologien den Begriff nicht vereinnahmen dürften (vgl. Eitel/Schleiff 2004: 11 ff). So argumentiert zumindest eine 2024 veröffentlichte Studie, herausgegeben von den Bildungsallianzen…
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Der Autor
Sebastian Zahn hat Sozialwissenschaften an der Universität Siegen studiert. Seine Interessenschwerpunkte sind die Analyse der Ideologien und Strategien der extremen Rechten sowie der antifaschistischen Gegenwehr. Seit 2016 arbeitet er in der Westerwälder Organisation DEMOS e. V. zur und gegen die lokale extreme Rechte.