Bildung im Umbruch: Pädagogische Perspektiven auf Deglobalisierung
Andreas Eis, Christian Grabau,
David Salomon (Hg.): Jahrbuch für Pädagogik 2024. Deglobalisierung.
Weinheim und Basel (Beltz Juventa) 2025, 300 S., 44 €
Das Jahrbuch für Pädagogik 2024, herausgegeben von Andreas Eis, Christian Grabau und David Salomon, verhandelt „Deglobalisierung“ als Analyse- und Orientierungsfeld. Es verschränkt gesellschaftliche Entwicklungen mit pädagogischen Deutungs- und Handlungsperspektiven, um entlang kontroverser Positionen Räume der Kritik zu eröffnen. Der Band gliedert sich in die Teile (I) Vielfachkrisen der Globalisierung, (II) Analyse und Kritik von Bildungsverhältnissen, (III) Nachhaltigkeitsbildung und Globales Lernen sowie in ein Historisches Stichwort (Der Entrepreneur), einen Jahresrückblick (7. Oktober 2023) und drei Rezensionen.
Die Herausgeber eröffnen den Band mit einer klaren Positionsbestimmung. Weder Globalisierung noch Deglobalisierung folgen einem naturgesetzlichen Verlauf. Sie sind politisch vermittelt, historisch variabel und daher umkämpft. Diese Grundannahme bildet das analytische Fundament des gesamten Jahrbuchs und rahmt die pädagogische Perspektive in einem dezidiert politischen Horizont. Die Herausgeber betonen, dass die verbreitete Vorstellung einer irreversiblen, linear fortschreitenden Globalisierung eine problematische Teleologie reproduziert, die historisch nicht haltbar ist. Stattdessen verweisen sie auf die lange Dauer wechselnder Muster von Expansion und Abschottung, von kolonialer Durchsetzung über erzwungene
Marktöffnungen bis zu gegenwärtigen Formen globaler Ausbeutung innerhalb und außerhalb Europas (10 ff.). Die Auseinandersetzung um Deglobalisierung wird als kritischer Anlass verstanden, die politische und pädagogische Gestaltbarkeit weltgesellschaftlicher Verhältnisse neu zu reflektieren. Wo um die Frage gerungen wird, in welcher Welt wir leben und leben wollen, geraten notwendigerweise auch pädagogische Gewissheiten und die normativen Grundlagen von Bildung ins Wanken. Bildung, die jedoch selbst zunehmend neoliberal ökonomisch vereinnahmt wird, ist daher nicht als bloße Anpassungsleistung, sondern als emanzipatorische Möglichkeit der Öffnung und Überschreitung des Bestehenden neu zu situieren (15).
Der erste Teil markiert die großen Linien der Gegenwartsdiagnose. Gerd Steffens beschreibt den Übergang von Globalisierung zu Deglobalisierung als Perspektivenbruch. Die Formel der Zeitenwende verschiebt den Horizont politischer Wahrnehmung und stellt das Selbstverständnis des Anthropozäns infrage. Pädagogik erscheint als Praxis unter militärischem und ökonomischem Druck. Zugleich betont Steffens die erkenntnistheoretische Stärke von Perspektive im materialistischen Sinn und fordert methodische Selbstreflexion. Christian Grabau weitet den Blick vom Globalen zum Planetarischen. Auf der Basis von Heydorns „Überleben durch Bildung“ und Staabs „Anpassung“ profiliert er das Spannungsfeld von…
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Die Rezensentin
Daniela Lehner, Dr.in, ist Universitätsassistentin am Institut für Bildungsforschung und PädagogInnenbildung, Arbeitsbereich Bildungstheorie und Schulforschung, an der Universität Graz. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind kritische und relationale Pädagogiken sowie Friedenspädagogik.